Ehemalige Junge Union-Mitglieder initiierten vor fast 30 Jahren kommunale Partnerschaft des Rheingau-Taunus-Kreises mit dem Saale Orla-Kreis

Die Initiatoren der kommunalen Partnerschaft des Rheingau-Taunus-Kreises mit dem Saale-Orla-Kreis (ehemals Kreis Schleiz) in Thüringen trafen sich am vergangenen Samstag im Rheingau nach fast 30 Jahren wieder. Es war Anfang Dezember 1989, die Mauer war gerade gefallen, da berichtete der Leiter der Bierstädter Ortsverwaltung Manfred Pohl seinem Parteifreund Rechtsanwalt Achim Carius aus Oestrich-Winkel, damals CDU-Kreistagsabgeordneter, über seinen Vetter Siegfried Wetzel aus der DDR. Dieser war im Landkreis Schleiz in Südthüringen Kreisvorsitzender der Ost-CDU und Gegner der roten SED-Diktatur. Tage darauf forderte Ministerpräsident Walter Wallmann alle hessischen Städte und Kreise auf, sich Partnerschafts-Kommunen in Thüringen zu suchen. Dieser Aufforderung folgend setzten sich am 23. Dezember 1989 der damalige Kreisvorsitzende der Jungen Union Peter Beuth sowie sein Freund Achim Carius spontan zusammen ins Auto und fuhren in Richtung Schleiz. Am Grenzübergang bei Hof mussten beide noch Eintrittsgeld und Zwangsumtausch zahlen.

Anhand der von Pohl mitgegebenen Adresse fanden beide dann den Bauernhof von Wetzel im Schleizer Vorort Möschliz. Am Küchentisch von Siegfried Wetzel wurden dann die ersten Pläne einer Unterstützung aus dem Westen geschmiedet und eine kommunale Partnerschaft beider Landkreise per Handschlag beschlossen. Wetzel stand damals im Visier der DDR-Machthaber. Der Oppositionelle befand sich sogar auf der Stasi-Internierungsliste und sollte verhaftet werden. Der Besuch von Beuth und Carius und die folgende intensive Verbindung zu beiden gab ihm Mut und Durchhaltekraft. Im Frühjahr 1990, nach der ersten freien Wahl seit 1933 im Kreis Schleiz, wurde Wetzel zum dortigen Landrat gewählt. So konnte er dann auch offiziell im dortigen Kreistag eine entsprechende Beschlussfassung forcieren.

Auf der Westseite stellte Achim Carius seine und Beuths Partnerschaftsidee ihrer Kreistagsfraktion vor, wo beide auch uneingeschränkte Unterstützung fanden. Den offiziellen Antrag für die folgende Kreistagssitzung zur Besiegelung der Partnerschaft mit dem Thüringischen Landkreis formulierte Carius und trug ihn für seine Fraktion auch vor. Mit den Stimmen von CDU, REP und FDP wurde er dann auch mehrheitlich bei Gegenstimmen der SPD-Fraktion so beschlossen. Damit erfüllten sich die jüngeren CDU-Politiker im Rheingau-Taunus einen Herzenswunsch, denn die Wiedervereinigung ihres bis dahin schmerzlich geteilten Vaterlandes war stets ihr oberstes politisches Ziel.

Nach fast drei Jahrzehnten kamen nunmehr alle Akteure von damals erstmalig in vollständiger Besetzung zusammen. Bei dem Treffen schmiedeten sie Pläne für das 30jährige Jubiläum am 23. Dezember 2019, dem runden Jahrestag ihres ersten Zusammentreffens. Dann wollen der heutige hessische Innenminister Beuth und der heutige Sprecher des Wirtschaftsrates Rheingau-Taunus Carius erneut die selbe Route nach Schleiz nehmen, wie einst kurz nach dem Mauerfall. Dann werden sie wieder gemeinsam mit Wetzel am selben Küchentisch auf dem Wetzel-Hof Platz nehmen, wie vor drei Jahrzehnten.

Bildunterschrift
Wiedersehen nach fast 30 Jahren (v.l.): Innenminister Peter Beuth, Manfred Pohl, Siegfried Wetzel und Achim Carius.

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