Das zukunftsweisende Energiekonzept der Hessischen Landesregierung, welches diese Woche im Landtag vorgestellt wurde, werde zweifellos auch Auswirkungen auf den Rheingau-Taunus-Kreis haben, so der Vorsitzende der CDU - Kreistagsfraktion André Stolz und der Umweltpolitische Sprecher, Friedrich Flach. Das Ziel der Landesregierung, den Endenergieverbrauch bis 2020 zu 20 % aus Erneuerbaren Energien zu decken, finde sich auch sinngemäß in der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und SPD im Kreis wieder.

Hinsichtlich der Nutzung von Solarenergie sehen die beiden Kreispolitiker den Kreis auf dem richtigen Weg, wobei die Errichtung einer großen Solaranlage auf einer ehemaligen Mülldeponie durch den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft als ein beispielhaftes Projekt gelte.

Das Energiekonzept der Landesregierung sehe in diesem Zusammenhang keine Inanspruchnahme von landwirtschaftlich genutzten Flächen für diese massiv geförderten Anlagen mehr vor. Auch diese Vorgabe werde begrüßt. Ein großes Nachholpotential sehen Stolz und Flach in der Gewinnung von Bioenergie.

Hier hätte man sich in der Vergangenheit mehr Einsatz von Landrat Albers gewünscht. Nach dem nun aber endlich das Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien im Kreistag beschlossen wurde, können Städte und Gemeinden in Zusammenarbeit mit Forst und Landwirtschaft und dem Kompetenzzentrum nach wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten der im Kreis reichlich vorhandenen Biomasse suchen. Für die CDU sei dabei auch die Errichtung einer Biogasanlage an einem geeigneten Standort zur Erzeugung von Strom und Wärme wünschenswert. Auch hier solle der Kreis selbst oder unterstützend tätig werden. Kritisch wird in der CDU allerdings der Ausbau der Windkraftanlagen im Naturpark Rhein – Taunus gesehen.

Der Naturpark Rhein-Taunus, der das gesamte Kreisgebiet umfasst, weist eine einmalige Mittelgebirgslandschaft aus und zählt zudem zu den waldreichsten Landschaften Deutschlands. „Nicht auszudenken wie diese Kulturlandschaft aussieht, wenn z.B. entlang des kompletten Taunuskamms 180 Meter hohe Windanlagen stehen“. Das Gebück, das wesentlich das Landschaftsbild im Rheingau prägt, würde zwischen Walluf und Rüdesheim zu einer 20 km langen von überall zu sehenden Windanlagenkette werden. Windanlagen diesen Ausmaßes gehören nicht in eine Gebirgslandschaft. In Bayern kommt ja auch kein einziger auf den Gedanken, die Voralpenlandschaft mit diesen Anlagen zu verschandeln“ so

Stolz. Die damit in zusammenhängenden Waldgebieten verbundenen Rodungen für die Anlagen selbst und die Zuwegungen, sowie die Kabeltrassen bedeuten zudem, nach Auffassung von Flach, das wertvolle Waldgebiete erheblich geschädigt werden könnten. Gerade die letzten Stürme hätten gezeigt, wie wichtig stabile Waldränder seien, damit der Wald den Stürmen trotzen könne. „Entlang der Bäderstrasse befinden sich wertvolle Laubholzbestände, denen möglicherweise im Laufe der Jahre die Vernichtung droht“, so Flach. Auch die wirtschaftlichen Überlegungen der Städte und Gemeinden, für die durchaus in der jetzigen Situation Verständnis aufzubringen ist, könnten sich als falsch erweisen, da den Pachteinnahmen mit Sicherheit Verluste bei der Jagdpacht gegenüberstehen werden. „Welcher Jagdpächter wird sich für solche Flächen interessieren, zumal mit erheblichen negativen Auswirkungen auf Wild- und Vogelbestand bei Betrieb der Anlagen zu rechnen ist?“, so Flach weiter. Auch beim Einhalten der erforderlichen Abstände zur Wohnbebauung könne es Probleme geben. Bei der Berechnung der Abstände werde die Nabenhöhe mit 10 multipliziert, sodass ein Mindestabstand von 1200 Metern eingehalten werden müssen. Interessierten Investoren empfiehlt der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, André Stolz, sich an Offshore-Anlagen zu beteiligen. Damit werde eine wirtschaftliche Stromerzeugung möglich. Die Hessische Landesregierung unterstütze solche Projekte. Für den erzeugten Strom, der in der Energiebilanz berücksichtigt werde, gebe es eine Abnahmegarantie. Mit einem solchen Modell wäre eine sinnvolle, wirtschaftliche Stromerzeugung möglich, ohne die Stromkunden mit hohen Abgaben belegen zu müssen und ohne solch dramatischen Eingriffe in unsere Mittelgebirgslandschaft und unsere schützenswerte Natur vornehmen zu müssen.

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