Seit Monaten sorgen die 118 im Raum stehenden 200m hohen Windkraftanlagen für Verunsicherung bei den Bürgerinnen und Bürgern im Rheingau-Taunus-Kreis.

Vorausgegangen war ein Kreistagsbeschluss vor über drei Jahren, mit der Zielsetzung eine Klimaneutralität, d.h. nicht mehr Strom zu verbrauchen als gleichzeitig aus Erneuerbaren Energien erzeugt wird, bis 2020 zu erreichen. Dieses Ziel sollte in einem sogenannten Masterplan untersucht und dargestellt werden.

So stützt sich die Argumentation des von rot und grün im Frühjahr 2014 beschlossenen Masterplans Energie auf dieses politische Ziel. Um 100%igen Stromverbrauch aus Erneuerbaren Energien zu decken, muss nach dem Masterplan die Hauptstromversorgung von Windenergieanlagen getragen werden. Der Anteil der Windenergieanlagen an der Stromerzeugung wäre ca. 90%. Daraus ergeben sich die 118 zusätzlich benötigten Windenergieanlagen für den Rheingau-Taunus-Kreis, was einen Flächenverbrauch von 8% der Kreisfläche zur Folge hätte. Zur Erinnerung, der hessische Energiegipfel wies einen hessenweiten Flächenverbrauch von 2% aus. „Dies steht in keinem Verhältnis, gerade nicht hinsichtlich unserer einzigartigen und schützenswerten Kulturlandschaft“, kritisiert Stolz.

Bürgermeister Bauer (SPD) sprach zu Recht davon, dass Hohenstein mit 2,8 Prozent Ausweis an Vorrangfläche für Windkraftanlagen das im hessischen Energiegipfel ausgewiesene Ziel von zwei Prozent „übererfülle“. Die Messlatte liegt auch für den Kreis bei 2% und nicht bei 8%.

Führende SPD-Politiker im Rheingau-Taunus Kreis sprachen in den letzten Wochen und Monaten wiederholt von einer „theoretischen Zahl“ in Höhe von 118 Windkraftanlagen, die so nie kommen werde. Gleichzeitig wurde jedoch genau diese mit den Stimmen von rot und grün so beschlossen. Diese Doppelzüngigkeit der SPD, erst beschließen und die Konsequenzen nicht klar aussprechen, ist unehrlich.

„Entweder möchte die SPD die Umsetzung des Masterplans, dann muss sie aber auch Farbe bekennen und klar zum Ausdruck bringen, dass sie auch hinter den 118 zusätzlichen Windkraftanlagen im Rheingau und auf dem Taunus steht, oder andererseits sie verabschiedet sich von dieser Zahl und gesteht im Umkehrschluss ein, dass der Masterplan und die Energieneutralität bis 2020 nicht zu erreichen ist“, so Stolz

Die CDU-Fraktion verteidigt ihre konsequente und stringente Linie in dieser Frage. „Die Energiewende muss aktiv gestaltet werden“, so Stolz. 2012 hat der Kreistag auf Antrag der CDU beschlossen, dass der Kreisausschuss aufgefordert wird, eine Bündelung von Windkraftanlagen an einem oder zwei Standorten im Benehmen mit den Kommunen anzustreben. Wir haben dem Landrat auch die Möglichkeit eines Finanzausgleiches zwischen belasteten und unbelasteten Gemeinden mit auf den Weg gegeben. Passiert ist seitdem in dieser Frage wenig bis gar nichts. Trotz Kreistagsbeschluss verfolgt der Landrat diesen Weg nicht nachhaltig. Kein Energiegipfel mit den Kommunen und somit auch kein ernsthafter Versuch einer Bündelung, um das Landschaftsbild des Taunus nachhaltig zu erhalten.

„Unser Ziel ist seit 2011 klar, die Energiewende auch im Rheingau-Taunus voranzutreiben und gleichzeitig darauf zu achten, dass dem Schutz der Kulturlandschaft Rechnung getragen wird“, argumentiert Stolz. Beides schließt sich nicht aus; führt jedoch dazu, dass nicht auf jeder ausgewiesenen Fläche Windkraftanlagen realisiert werden. „Wenn die angestrebte Klimaneutralität im Kreis bis 2020 118 Windkraftanlagen zur Folge hat, dann muss man die Größe haben und sich eingestehen, dass der Preis für dieses Ziel zu hoch ist. Die Energiewende ist nur mit den Menschen zu erreichen“, erläutert der CDU-Fraktionsvorsitzende abschließend.

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