Am 9. November jährt sich die innerdeutsche Grenzöffnung 1989 zum 30. Mal, womit das Ende der DDR-Diktatur eingeläutet wurde. Daran erinnert der Kreisvorsitzende der CDU Rheingau-Taunus. „Auch viele Jahre nach dem Fall der Mauer dürfen wir nicht vergessen, was den Deutschen in der damaligen DDR angetan wurde. Mit dem Bau der Mauer am 13. August 1961 wurde der Unrechtscharakter des SED-Regimes gleichsam unübersehbar in Beton gegossen: die Einheitssozialisten mussten ihre Bevölkerung mit Mauer, Stacheldraht und Minen einsperren, weil ihnen sonst schon damals alle weggelaufen wären“, so der CDU-Kreisvorsitzende Klaus-Peter Willsch.

Heute werden die Reste der Mauer von vielen Touristen als Sehenswürdigkeit verstanden, doch in Wirklichkeit sei sie die Zementierung himmelschreienden Unrechts in Form von Beton und Mauersteinen, die man auch heute noch als solche begreifen müsse.

„Mit dem Bau der Berlin Mauer schlossen die Kommunisten das letzte Nadelöhr in die freie Welt. Wäre die DDR wirklich ein sozialistisches Arbeiter- und Bauernparadies gewesen, wäre dieser Schritt nicht notwendig gewesen. Die Menschen durften nicht wählen, aber sie haben mit den Füßen abgestimmt", betont Willsch. Willsch weiter: „Millionen von Menschen wurden von der sozialistischen Staatsführung eingesperrt, um ihnen den Sozialismus aufzuzwingen. Die Mauer ist ein grausames Symbol für Getötete, Verletzte, zu Unrecht Inhaftierte und Drangsalierte, um ihre unveräußerlichen Freiheitsrechte und selbstbestimmte Lebenswege Betrogene. Die Menschen in der DDR haben schon vor 1989 rein gar nichts vom Sozialismus gehalten.“

„Hinter der Mauer begann eine andere Welt. Aber wahrlich keine bessere. Sonst hätte man die Mauer nicht im Laufe der Jahre zu einem perfiden Todesstreifen ausbauen müssen. Profitiert haben nur die, die sich ganz dem verbrecherischem System verschrieben haben“, sagt Willsch. Umso bitterer sei, dass die Verherrlichung des menschenverachtenden DDR-Regimes mehr und mehr zunehme - gesellschaftlich und politisch. „SED, PDS und Linkspartei sind ein und dieselbe Partei. Die alten Zöpfe sind nicht abgeschnitten, auch wenn sich die Linke fesch und progressiv gibt“, betont Willsch.

Genauso schlimm sei, dass die anderen beiden linken Parteien, SPD und Grüne, die SED-Nachfolger wieder salonfähig machten, um selbst an die Macht zu kommen. „Da wird dann immer schwadroniert, man dürfe nicht immer alles ausschließen. Da sage ich: Doch, das muss man ausschließen, mit einer Partei zu koalieren, die man im Verlauf der Wiedervereinigung eigentlich hätte verbieten müssen. Gerade von den Grünen müsste man da mehr erwarten können. Denn diese bestehen ja gerade im Osten zu einem nicht geringen Teil aus Bürgerrechtlern, also aus ehemaligen DDR-Oppositionellen“, legt Willsch dar. Aber viele der ehemaligen Bürgerrechtler hätten den Grünen ohnehin schon den Rücken zugekehrt. Das spiegle sich allein schon darin wider, dass das „Bündnis 90“ im Parteinamen Bündnis 90/Grüne kaum noch erwähnt werde.

„Für alle Deutschen in Ost und West ist der 9. November ein Tag der Freude und der Dankbarkeit. Nach 29 Jahren in Einheit, Frieden und Freiheit, können wir auf das Geleistete stolz sein. Gleichwohl dürfen wir jedoch nie vergessen, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist und Gewalt und Krieg in Europa leider nicht der Vergangenheit angehören“, so Klaus-Peter Willsch.

Für die Union im Kreis habe nie in Frage gestanden, dass Deutschland zusammengehört. Daher habe man gegen die künstliche Teilung mit allen politischen Mitteln gekämpft.

„Nach zahllosen Tagesaufenthalten in Ost-Berlin begannen wir 1984 in der Jungen Union DDR-Fahrten zu veranstalten“, erinnert sich Willsch, der damals stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union Hessen war und in dieser Funktion auch die Landesversammlung zur Neugründung der Jungen Union in Thüringen leitete. Es war Anfang Dezember 1989, die Mauer war gerade gefallen, da berichtete der Leiter der Bierstädter Ortsverwaltung Manfred Pohl seinem Parteifreund Rechtsanwalt Achim Carius aus Oestrich-Winkel, damals CDU-Kreistagsabgeordneter, über seinen Vetter Siegfried Wetzel aus der DDR. Dieser war im Landkreis Schleiz (heute Saale-Orla-Kreis) in Südthüringen Kreisvorsitzender der Ost-CDU und Gegner der roten SED-Diktatur. Tage darauf forderte Ministerpräsident Walter Wallmann alle hessischen Städte und Kreise auf, sich Partnerschafts-Kommunen in Thüringen zu suchen. Dieser Aufforderung folgend setzten sich am 23. Dezember 1989 der damalige Kreisvorsitzende der Jungen Union Peter Beuth sowie sein Freund Achim Carius spontan zusammen ins Auto und fuhren in Richtung Schleiz. Am Grenzübergang bei Hof mussten beide noch Eintrittsgeld und Zwangsumtausch zahlen.

Anhand der von Pohl mitgegebenen Adresse fanden beide dann den Bauernhof von Wetzel im Schleizer Vorort Möschliz. Am Küchentisch von Siegfried Wetzel wurden dann die ersten Pläne einer Unterstützung aus dem Westen geschmiedet und eine kommunale Partnerschaft beider Landkreise per Handschlag beschlossen. Wetzel stand damals im Visier der DDR-Machthaber. Der Oppositionelle befand sich sogar auf der Stasi-Internierungsliste und sollte verhaftet werden. Der Besuch von Beuth und Carius und die folgende intensive Verbindung zu beiden gab ihm Mut und Durchhaltekraft. Im Frühjahr 1990, nach der ersten freien Wahl seit 1933 im Kreis Schleiz, wurde Wetzel zum dortigen Landrat gewählt. So konnte er dann auch offiziell im dortigen Kreistag eine entsprechende Beschlussfassung forcieren.

Auf der Westseite stellte Achim Carius seine und Beuths Partnerschaftsidee ihrer Kreistagsfraktion vor, wo beide auch uneingeschränkte Unterstützung fanden. Den offiziellen Antrag für die folgende Kreistagssitzung zur Besiegelung der Partnerschaft mit dem Thüringischen Landkreis formulierte Carius und trug ihn für seine Fraktion auch vor. Mit den Stimmen von CDU, REP und FDP wurde er dann auch mehrheitlich bei Gegenstimmen der SPD-Fraktion so beschlossen. Damit erfüllten sich die jüngeren CDU-Politiker im Rheingau-Taunus einen Herzenswunsch, denn die Wiedervereinigung ihres bis dahin schmerzlich geteilten Vaterlandes war stets ihr oberstes politisches Ziel.

„Vom politischen Gegner, manchmal aber auch von Altvorderen in unserer eigenen Partei wurden wir dafür oft belächelt, aber letztlich siegte die Freiheit. Jeder Tag in der kommunistischen Gefangenschaft der DDR war ein schlimmer für viele Menschen. Wir waren davon überzeugt, dass Deutschland wiedervereinigt werden wird. Es darf niemals in Vergessenheit geraten, welches Unrecht den deutschen Bürgern in der ehemaligen DDR bis vor 30 Jahren angetan wurde. Es ist unsere Aufgabe, daran zu erinnern, damit so etwas niemals wieder möglich ist. Es zeugt von Geschichtsvergessenheit, dass die Sozialdemokraten in Brandenburg nun erneut mit den SED-Nachfolgern regieren wollen und in Thüringen gar einen Ministerpräsidenten aus den Reihen der Ulbricht-Honecker-Enkel wiederwählen wollen“, so Willsch abschließend.

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